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G o l d b a c h. Morgens direkt vom Bett aufs Fahrrad, ohne die Körperhaltung wesentlich zu verändern - ein Traum?
Alfons und Norbert Beisler aus Goldbach haben's möglich gemacht.
Sie entwickelten ihr persönliches Liegerad.
Vom neuen Fahrgefühl schwärmen Vater und Sohn in den höchsten Tönen.
"Auf mein altes Fahrrad steige ich nicht mehr", erklärt Alfons Beisler.

Mit einer stützenden Hand im Rücken geht's los: hinsetzen, anlehnen, vorsichtig einen Fuß nach dem anderen in die Pedalen - und kräftig treten.
Das Gefühl der Unsicherheit konsequent ignorieren und mit den Händen lenken.
Naht die erste Kurve - bloß nicht irritieren lassen, denn die Beine fahren erst ein Stück geradeaus weiter.
Leichter gesagt als getan!
"Das lernt man schnell", versichert Alfons Beisler.
"Schon nach einer Viertelstunde klappt es wesentlich besser.
Wer Radfahren kann, schafft dies auch."
Er selbst habe sich bereits bei der ersten Probe nach ein paar Runden im Hof auf die Straße gewagt.
Höhere Geschwindigkeit

Das Fahren sei wesentlich bequemer, da Schultern, Handgelenke und Rücken nicht so stark beansprucht werden wie bei den üblichen Rädern, erläutert Alfons Beisler die Vorteile des Liegerads.
"Man sitzt entspannt, der Bauch wird nicht eingeklemmt und man trainiert die Bauchmuskeln.
"Weiterer Nebeneffekt: Die Haltung sorgt für einen geringeren Luftwiderstand, so daß man schneller vorwärts kommt.

Etwa 3.500,-- bis 4.000,-- DM kostet ein Liegerad derzeit im Handel.
"Ich habe diese Art Fahrrad zum ersten Mal in der Schweiz gesehen", erinnert sich Norbert Beisler, "und war erstaunt, welche Geschwindigkeit man erreicht."
Jetzt sprintet der 30jährige Maschinenbau- und REFA-Techniker selbst mit dem auffälligen Zweirad durch die Gegend.

Das Liegerad war sein Weihnachtswunsch, erzählt Alfons Beisler.
Im Oktober letzten Jahres, den 60jährigen schmerzten nach einer Mountainbike-Tour die verschiedensten Körperteile, nahm er das Projekt zusammen mit seinem Sohn, dem die Goldbacher Firma Beisler Automationstechnik GmbH gehört, in Angriff.
Schritt für Schritt arbeiteten sich die beiden Tüftler voran.
Rad muß die Spur halten

Von Schwierigkeiten, die immer wieder bei der Konstruktion auftauchten, ließen sie sich nicht abschrecken.
Ein Beispiel: Das Liegerad muß beim Schieben die Richtung halten, da man nicht in gebückter Haltung, einen der seitlichen Lenkradgriffe in der Hand, neben dem Rad herlaufen kann.
Bis das Beisler-Rad in der Spur blieb, verging einige Zeit.
Auch um den Sitz optimal zu konstruieren, mußten die Hobby-Radbauer mehrere Anläufe nehmen.

Viele Teile fertigten Vater und Sohn selbst, da es sie nicht zu kaufen gab.
"Ich nehme ein Stück Eisen und probiere einfach aus", sagt Alfons Beisler.
"Mein Sohn setzt sich dafür an den Computer und zeichnet."
Jetzt steht ein Modell mit 21 Gängen in schwarz für den Sohn bereit.
Der Vater, der gerne eine fröhliche Farbe wollte, fährt ein rotes mit 24 Gängen.
Die Hebel für die Schaltung sitzen vorne an den Lenkergriffen.
Mehrere Radgrößen probierten die Goldbacher aus, bevor sie sich für ein Vorderrad mit 20 Zoll und ein Hinterrad mit 24 Zoll entschieden.

Die Beislerschen Liegeräder besitzen mehrere Besonderheiten.
Die Kette wurde zwischen Pedalen und Sitz in den Rahmen gelegt.
"Auf diese Weise macht man sich beim Fahren nicht schmutzig", sagt Norbert Beisler.
Damit das Liegerad auch von unterschiedlich großen Menschen benutzt werden kann, lassen sich sowohl Vorderrad als auch der Sitz nach vorne und hinten bewegen.
"Ich arbeite im Nähmaschinenbereich, da muß alles verschiebbar sein.
Deswegen kam ich auf die Idee", sagt Alfons Beisler.

Je kürzer der Radstand, desto wendiger, aber auch unruhiger sei das Liegerad.
Der lange Radstand eigne sich gut für größere Touren, bei denen viel geradeaus gefahren werde, erklärt Alfons Beisler.
Wichtig sei auch, daß der Liegeradfahrer im Verkehr nicht übersehen werde.
Man habe deswegen das Modell so angelegt, daß der Radler sich trotz eher horizontaler Haltung auf Augenhöhe der Autofahrer befinde.

Den Sommer über werden Vater und Sohn ihre Exoten unter den Zweirädern testen.
Wenn keine größeren Probleme auftauchen, wollen sie in die Liegeradproduktion einsteigen.
"Es macht mir einfach Spaß, etwas zu entwickeln", erzählt Alfons Beisler.
"Das Grundkonzept für unser Liegerad bleibt, aber an Einzelheiten werde ich weitertüfteln."
Wie funktioniert denn das?

Über mangelndes Interesse können sich die beiden Goldbacher nicht beschweren.
"Ich werde oft angesprochen, wenn ich mit meinem Rad unterwegs bin", erzählt Norbert Beisler.
Was das denn sei und wie sich das ungewöhnliche Gefährt fahren lasse, wollen die Leute wissen.
Daran, daß man ihn auf der Straße anstarrt, habe er sich inzwischen gewöhnt.
So ein Liegerad eigne sich nicht für kontaktscheue Menschen, warnt Norbert Beisler lachend. [mad]
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