Die erste bekannte Darstellungen eines Liegerades datiert auf das Jahr 1893.
Durch konsequente Weiterentwicklung bis in die späten dreißiger Jahre, verwies der "Lieger" bei Wettkämpfen immer häufiger Rennräder auf die hinteren Plätze.
Aufgeschreckt durch die erstaunlichen Leistungen, wurde das Liegerad von der Internationalen Radsportvereinígung (UCI) bei Wettkämpfen ausgeschlossen.

Dies erklärt auch, weshalb dieses interessante, alternative Fahrradkonzept heute noch zum Teil ein "Schattendasein" fristet, da die Popularität und damit der Verkaufserfolg, unter anderem über die sportlichen Erfolge erzielt wird.
Neben einer nicht gerade geringen Anzahl von begeisterten Rennfahrern, nutzen heutzutage hauptsächlich Alltags- und Reiseradler die Vorteile der schnellen Flitzer.
Die aus der Bauform resultierende günstige Aerodynamik, verbunden mit der bequemen Haltung, macht das Liegerad zum idealen Fortbewegungsmittel sowohl für kurze, als auch für lange Strecken.

Zahlreiche Hersteller machen es heute nicht mehr nötig, sich seinen persönlichen "Lieger" selbst zu bauen.
Die Verwendung neuartiger Materialien und Komponenten haben in den letzten Jahren zu bedeutenden Entwicklungssprüngen geführt.
Interessierte können sich auf speziellen Fachmessen einen guten Überblick über Anbieter der unterschiedlichsten Konstruktionen verschaffen.
Hier bietet sich meist auch die Gelegenheit, seinen "Wunschlieger" Probe zufahren.

Als positiver Nebeneffekt werden damit die in der Öffentlichkeit herrschenden Vorurteile gegenüber Liegerädern abgebaut.
Nach wie vor wird da behauptet, daß Liegeräder nicht wendig genug wären, für Bergfahrten nicht zu gebrauchen sind, die Unfallgefahr durch ihre Schnelligkeit und die flache Bauart dramatisch erhöhen und das Einschlafen während der Fahrt fördern.
Diese "Abblocker" haben mehr mit eingeschränktem Wissenstand und dem Unbehagen gegenüber dem Unbekannten zu tun, als mit der Realität und den physikalischen Fakten.

Grundsätzlich unterscheidet man bei den einspurigen Liegerädern nach der Körperposition beim Fahren.
Denn anders als bei den bekannten Fahrradtypen wie Mountainbike, Rennrad oder Tourenrad wird nicht senkrecht nach unten getreten, sondern horizontal zum Boden.
Hierbei kann sich der Fahrer in der Bauch- oder Rückenlage befinden.
Bei den Bauchliegern wird der Bauch als Auflagefläche benutzt.
Die Tretkurbel befindet sich aus diesem Grund hinter dem Fahrer.
Die Rückenlieger nutzen Gesäß und Rücken als Auflagefläche.
Die Tretkurbel ist hierbei nach vorne verlegt.
Aufgrund der Konstruktionsformen unterteilt man hier nochmals in Lang- und Kurzlieger.
Langlieger haben die Tretkurbel hinter dem Vorderrad.
Sie besitzen einen sehr guten Geradeauslauf und ein extrem gutes Bremsverhalten.
Die aufrechte Sitzposition ergibt eine entspannte Haltung des Rückens, der Nackenmuskulatur und der Arm- und Handgelenke.
Für Anfänger sind sie gut geeignet, da beim Stehenbleiben z.B. an Ampeln oder in Notsituationen die Füße schnell am Boden sind.
Nachteilig wirkt sich ihr höheres Gewicht und der größere Platzbedarf beim Fahren und Abstellen, gegenüber dem "Normalrad" und dem Kurzlieger, aus.
Außerdem kann durch die ungünstige Lastenverteilung das Vorderrad auf Sand und Nässe zum Wegrutschen neigen.
Bei
Kurzliegern befindet sich die Tretkurbel vor dem Vorderrad.
Sie sind aufgrund ihres geringen Gewichtes wendig und schnell.
Die Sitzposition ist meist flacher und tiefer als beim Langlieger.
Da sie kaum länger als ein "Normalrad" sind, lassen sie sich ebenso leicht transportieren.
Die Beine als Knautschzone und die geringe Fallhöhe tragen bei einem Unfall zur verminderten Verletzungsgefahr bei.
Durch die flache Sitz- bzw. Liegeposition ist das Fahrverhalten sehr gewöhnungsbedürftig.
Besonders das Stehenbleiben und Losfahren an Ampeln, sowie das Langsamfahren fällt am Anfang schwer.
Der rückwärtige Verkehr läßt sich durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit meist nur über Rückspiegel beobachten.